Was tun bei Inflation und Lieferengpässen?

Preisstrategien

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Holz, Kunststoff, Stahl, Elektronikbauteile und andere Rohstoffe und Materialien werden knapp und teuer. Besonders betroffen ist aktuell die Baubranche, in der es trotz voller Auftragsbücher schon zu Baustellenstillegungen kommt. Aber auch in anderen Industriezweigen sind Lieferengpässe und steigende Transportkosten und Beschaffungspreise spürbar. Viele Unternehmen kaufen daher nicht nur alles, was sie bekommen können, sondern heben auch ihre Angebotspreise an. Manche versuchen auch andere Preisstrategien. Hier ein Überblick:

Inflation

Die EZB und die Bundesbank erwarten für das Gesamtjahr 2021 ein vorübergehende Inflationsrate für Deutschland von moderaten 3 %. Da eine Inflation im Interesse der fast überall hoch verschuldeten Staaten ist, sollten Sie bei solchen Aussagen allerdings skeptisch sein. Die offizielle Inflationsrate bildet z. B. nicht oder nur unzureichend die Preisentwicklung für Wohnen ab. Auch die Energie- und Lebensmittelpreise ziehen aktuell deutlich stärker an. Bilden Sie sich daher eine eigene Meinung. Die Einschätzung der zukünftigen Teuerungsrate ist wichtig für die eigene Beschaffungs- und Preisstrategie.

Inflation lässt sich gut anhand der folgenden Quantitätsgleichung erklären: Preis = (Geldmenge x Umlaufgeschwindigkeit des Geldes) / Warenangebot.

  • Geldmenge: Die EZB „druckt“ derzeit wie entfesselt Geld über den Kauf von Staatsanleihen. Die EZB-Bilanzsumme hat sich in den letzten 24 Monaten auf fast 8 Billionen Euro verdoppelt. Weitere zwei Billionen Euro werden bis zum Frühjahr 2022 aus einem neuen EU-Corona-Budget folgen. Auch die Geldmenge M3, in die Bargeld, Sichteinlagen und Sparguthaben eingehen, ist im Euroraum auf über 14 Billionen Euro gestiegen. Damit ist die Geldentwertung defacto ohnehin schon da.
  • Umlaufgeschwindigkeit: Eine gegebene Geldmenge aus Bargeld und Kontoguthaben vergrößert sich ökonomisch, wenn die Zahl der Transaktionen steigt. In der Hyperinflation 1923 war das extrem, wo Geldscheine wie eine heiße Kartoffel weitergegeben und binnen Minuten gegen Sachwerte getauscht wurden. Durch den Corona-Lockdown ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes weltweit gesunken, vielleicht auf den Faktor 0,5 oder noch niedriger. Allein in Deutschland sind dadurch die Bankkonten der Privathaushalte um knapp 300 Mrd. Euro angeschwollen. Der Nachholbedarf nach der Öffnung ist nun groß.
  • Angebot: Die produzierten Waren und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft werden im Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen. Es ist im Euroraum 2020 auf rund 10 Billionen Euro gefallen. Auch in Deutschland betrug der preisbereinigte Rückgang 2020 rund -5 % und im ersten Quartal 2021 noch immer -1,8 %. Das Angebot an Gütern wird weiter verknappt, nicht nur wie eingangs beschrieben, sondern z. B. auch durch platzverringernde Corona-Maßnahmen in der Gastronomie, im Handel und in der Kulturbranche.

Setzen wir nun die Zahlen in die Gleichung ein. So ergibt sich: P = (14 x 0,5)/10 = 0,7

Das war vermutlich die Situation im Winter-Lockdown, wo es sogar Preissenkungen und eine Deflation gab. Wenn nun die Umlaufgeschwindigkeit wieder auf 1 oder sogar auf 1,5 und mehr steigt und sich gleichzeitig die Geldmenge weiter erhöht und das Angebot verknappt, können Sie sich leicht ausrechnen, wohin die Reise gehen kann. Bei den Aktienkursen und Immobilienpreisen ist die starke Inflation übrigens schon seit Jahren da.

    Strategien

    Wenn Sie Ihre Angebotspreise nicht so schnell anheben wollen oder Preissteigerungen verstecken möchten, gibt es folgende Optionen.

    • Vorräte anlegen: Aktuelle Lieferengpässe entstehen auch durch Hamsterkäufe. Wer Geld und Lagerplätze hat, kauft, was er bekommen kann. Andere suchen neue Lieferanten in Standortnähe und bauen Just-in-Time-Ansätze ab.
    • Lieferpreise fixen: Wenn noch möglich, sollten Sie mittel- bis langfristige Lieferverträge ohne Preisgleitklauseln abschließen. Sie verlagern dann das Preisrisiko auf Ihre Lieferanten. So schließen immer mehr Mittelständler bereits heute neue Energielieferverträge ab, um sich die aktuellen Preise zumindest für zwei Jahre zu sichern. Wir erleben gerade, dass viele Handwerker und Bauunternehmen mit Bauherren Festpreise vereinbart haben und nun die gestiegenen Preise für Baumaterialien nicht an ihre Auftraggeber weiterreichen können. Das kann zu Verlusten und Insolvenzen führen.
    • Werte statt Preise: Schaffen Sie für Kunden ein werthaltiges Gesamtangebot. Verkaufen Sie nicht nur ein Produkt, sondern eine Kundenlösung, die ihren Produktpreis verschleiert. Equipment-as-a-Service heißt das neue Schlagwort für diese Strategie. So liefert KAESER nicht nur Kompressoren, sondern gleich das gewünschte Endprodukt „Druckluft“ im Full-Service.
    • Weniger Inhalte: Die Nahrungsmittelindustrie reduziert still und heimlich Inhaltsmengen, behält aber die alten Verpackungsgrößen und Preise. Auch die Brötchen beim Bäcker werden bei gleichem Preis immer kleiner.
    • Materialsubstitution: Experten befürchten gerade einen Anstieg von Pfuscharbeiten im Handwerk. Wenn Preissteigerungen nicht weitergegeben werden können, dann wird weniger oder minderwertigeres Material verbaut. Diese Methode ist aber unlauter.

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