09.02.2019

Einfache Personalentwicklung

Kreative, vergessene und preis-Werte Methoden des Lernens

Fotalia_219378725 von Werner

Weder in Schulen, Hochschulen noch in den Betrieben und Weiterbildungseinrichtungen schöpfen wir die Möglichkeiten eines wirksamen Lernens voll aus. Der Frontalunterricht, oder sagen wir ‚die Schulung‘,  ist trotz der Erkenntnis seiner bedingten Wirksamkeit immer noch der Favorit. E-Learning und Blended Learning werden seit mehr als 15 Jahren als die Innovation des modernen Lernens propagiert und führten bisher doch eher durch den einseitigen Appell der Geschäftsleitung an die Selbstverantwortung der Lernenden und fehlende Einbettung in gezielte Lernprozesse in eine Sackgasse.

Lernen ist je nach Ziel ein komplexer Vorgang und sollte durch einen passenden Mix an Lernmethoden umgesetzt werden. Vom Ideal der Bildung haben wir uns in der Wirtschaft bereits in den sechziger Jahren im vergangenen Jahrhundert zugunsten der Qualifikation als Nutzen für den Produktionsprozess verabschiedet. Doch aktuell kommen Bildungseinrichtungen sowie Unternehmen kaum mit, wenn es um die Planung aktuell passender Lernformate und Seminarangebote geht, die den sich rasch wandelnden Anforderungen und Veränderungen standhalten.

Digitale Lernformen sind immer dann von Vorteil, wenn es um die schnelle Vermittlung von neuem Fachwissen oder Teilwissen in bestimmten Situationen geht. Auch im Bereich des anleitenden Lernens durch Vormachen sind Videos als erster Schritt sehr wertvoll. Dies sind also eher Formen der gezielten Anreicherung von Lernprozessen in bestimmten Situationen.

Für komplexe Qualifikationen sowie für die Entwicklung zukünftiger Schlüsselkompetenzen können die drei folgenden Lernformen als unkonventionelle und doch effektive Variante genutzt werden. Sie gehören in die Rubrik des analogen und erlebnisorientierten Lernens, das den Vorteil einer ‚ganzheitlichen‘ Wirkung hat:

  • Hospitation – stimmt, die Form ist nicht neu. Aber die Möglichkeiten werden kaum genutzt, vor allem nicht außerhalb eines Unternehmens. Gerade für mittelständische Unternehmen wäre diese Form mindestens aus Kostengründen sinnvoll. Zum Beispiel könnte ein Controller oder Prozessverantwortliche je einen Tag in zwei bis drei verschiedenen Unternehmen mit unterschiedlichen Ausrichtungen verbringen und dort gezielt und vorbereitet zu- und abgucken. Oft reichen wenige Impulse und Ideen aus, die eigene Kreativität im gewohnten Trott anzuregen. Für die optimale Nutzung von Potenzialen könnten mehrere Unternehmen eine ‚Innovations-Kooperation‘ vereinbaren und durch gegenseitige Hospitationen voneinander profitieren. Moderne Unternehmen, die ‚big Player‘ zeigen: nur wer sich öffnet und gezielt Beteiligung zulässt, wird zukünftig mithalten können.
  • Famulatur – eine uralte Lernform, insbesondere, wenn es um das Lernen von grundlegenden  Fähigkeiten und Professionalität geht, bei der auch eine Entwicklung der Persönlichkeit erforderlich ist. Früher wurde diese Form als dienendes Schüler-Meister-Verhältnis zum Beispiel bei berühmten Geigenbauern genutzt. Bis heute wird es als obligatorische Methode bei angehenden Medizinern sowie in der Gesundheitsbranche eingesetzt. In Unternehmen wäre bei wichtigen Positionen wie Spezialisten und im Management eine gezielte Phase der Famulatur, sprich der engen Zusammenarbeit eines ‚alten Meisters‘ mit einem neuen Talent von Vorteil. Auf diese Weise gelingt es auch wesentliche Erfahrungen sowie tradiertes Wissen in ‚Kopfakten‘  weiterzugeben.
  • Walz – die Wanderschaft ist im Grunde eine Kombination von Hospitationen und Famulatur. Diese alte Form der Entwicklung von Professionalität ist für die aktuellen und zukünftigen Anforderungen im Grunde bestens geeignet. Neben der fachlichen Professionalisierung durch mehrseitige Erfahrungen werden die Selbstverantwortung und –orgainsation, die Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit sowie die Entwicklung von Flexibilität zentrale Nebeneffekte sein. Wären Sie bereit, ein junges Talent loszulassen und auf diese Reise zu schicken?
  • FirmenCampus - Lernen findet am besten dort statt, wo es relevant ist. Nämlich im Unternehmen. Neben den intuitiv bereits gut laufenden kollegialen Lernmechanismen sollte diese Form zu einer Tugend entwickelt werden. Das von Mitarbeitern selbst organisierte und selbst verantwortete Lernkonzept ist die Kür einer agilen Personalentwicklung. Die Kunst ist hierbei, diesen Prozesse zu initiieren und nur soweit zu steuern, bis eine Sellbststeuerung von Inhalten und Umsetzung durch die Mitarbeiter erfolgt. Unmöglich? Fragen Sie nach, wie es geht :-)

Partner

Jürgen Alef Personalentwickler

Jürgen Alef
Herrenstrunden 34
51465 Bergisch Gladbach

Fon: 02202 1088261

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