CarSharing nach der Corona-Krise

Tanya Bullmann de Carvalho dos Santos, cambio Rheinland, Köln

© cambio, Tanya Bullmann de Carvalho dos Santos

Tanya Bullmann de Carvalho dos Santos, Prokuristin, cambio Rheinland, Köln, im Gespräch mit mittelstand-koeln-bonn.de

Wie hat cambio die Corona-Krise miterlebt?

Wie viele Unternehmen kommen auch wir nicht unbeschadet durch die aktuelle Krise. Der Shut-down stellt uns vor große wirtschaftliche Herausforderungen. Zeitweise kam es im Rheinland zu einem Einbruch der Buchungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum von bis zu 50%. Private Buchungen über die Osterferien fielen komplett aus, da keine Urlaubsmöglichkeiten bestanden. Und für unsere geschäftlichen Mitglieder fielen ebenso die Fahrtgründe weg, da auch sie ihre Kundschaft nicht mehr besuchen konnten.
 
Wie haben Sie sich in dieser Situation beholfen?

Der Umsatzrückgang traf uns hart, denn fixe Kosten wie Versicherungen, Stellplatz- und Büromieten sowie neu bestellte Fahrzeuge für den Sommer, mussten weiterhin gezahlt werden. Zu Beginn haben wir ein KfW-Darlehen und weitere Soforthilfeprogramme beantragt. Das Team war bis Ende Juni in Kurzarbeit und wir mussten unsere Arbeitsprozesse an die spezielle Situation anpassen. Alle MitarbeiterInnen haben an einem Strang gezogen und sich gegenseitig unterstützt. Wir haben in den Abteilungen, in denen es möglich war, auf Home-Office umgestellt. Unser Fuhrparkservice legte bei der Reinigung der Fahrzeuge den Schwerpunkt auf die Innenreinigung und Desinfektion der Kontaktflächen. Vertrieblich haben wir unseren Mitgliedern ein vergünstigtes Wochenangebot angeboten, das sich in erster Linie an Personen richtete, die ein „eigenes“ Fahrzeug für sich benötigten. Etwa, weil sie als Klinikpersonal nicht den ÖPNV nutzen sollten oder kranke Angehörige betreut haben. Im dienstlichen Kontext haben wir Fahrzeuge als Langzeitbuchung z.B. für Bauabteilungen zur Verfügung gestellt, bei denen sich mehrere Teammitglieder normalerweise einen Dienstwagen teilen, nun aber jeder in einem eigenen Auto unterwegs sein sollte.

Gab es Unterstützung durch Ihre Kunden?

Unsere Kunden konnten uns in der Zeit von April bis Juni durch sogenannte „Soli“-Buchungen unterstützen. Das waren virtuelle Buchungen auf nicht real existierenden Fahrzeugen an einer Soli-Station. Außerdem konnten Patenschaften für Stationen übernommen werden, in dem ein Teil der Kosten der Stellplatzmieten getragen wurden.

Wir hatten eine unglaublich positive Resonanz auf diese Möglichkeiten und waren überwältigt von der Unterstützung. Wir erhielten viele aufmunternde Rückmeldungen und positives Feedback zu unserer Arbeit und Emails, wie wichtig wir für viele Familien oder auch Firmen inzwischen sind, die ihre eigenen Fahrzeuge abgeschafft haben. Diese Unterstützung hat uns sehr geholfen. Dadurch konnten wir unser Angebot ohne Einschränkungen bei Fahrzeug- oder Stationsanzahl beibehalten und mussten keine Autos verkaufen oder Stationen schließen.

Wie reagieren Sie auf das Konjunkturpaket der Bundesregierung?

Das, was uns als Vorreiter der Verkehrswende besonders freut, ist natürlich, dass es nicht zu der lange diskutierten erneuten Abwrackprämie kommt. Das wäre in Zeiten der Klimakrise das falsche Signal gewesen. Stattdessen den ÖPNV und den Radverkehr zu stärken, halten wir für richtig.

Nach reiflicher Überlegung haben wir uns entschieden, die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozentpunkte nicht weiterzugeben. Trotz der Hilfen hat uns der Lockdown hart getroffen und wir werden noch eine Weile benötigen, um die Verluste wieder auszugleichen. Dazu kommt, dass es jederzeit zu einem weiteren Lockdown kommen könnte. Um unsere Entscheidung für unserer Kun-den transparent zu machen, haben wir sie mehrfach informiert. Die überwiegende Mehrheit hat uns in unserem Weg bestärkt.

© cambio, Jochen Gottsmann

Wie geht es weiter?

Die Corona-Krise hat die Arbeitswelt umstrukturiert - mehr Home-Office und weniger Pendelei. Dies macht CarSharing plötzlich für Unternehmen interessanter, die in der Krise eine Chance sehen und die Vorteile eines dezentralen Fuhrparkes erkennen. Angestellte, für die Präsenzpflicht bisher selbstverständlicher Teil des Arbeitsalltags war, überlegen, auch in Zukunft mehr Homeoffice einzubauen, um bisherige Pendelzeiten effektiver zu nutzen und konzentrierter zu arbeiten. Kostencontroller und Fuhrparkchefs in den Unternehmen fragen sich, ob der personalisierte Dienstwagen zukunftsfähig ist. Oder die Kombination aus mehr Homeoffice, JobTicket und Carsharing-Fahrzeugen eine sinnvollere und kostensparendere Variante wäre.
Dies spüren wir in einer verstärkten Nachfrage im Firmenkundensegment seit etwa Mitte Juni.

Wie sieht dann der klassische Anwendungsfall in einem Unternehmen aus?

Firmen unternehmen dienstliche Fahrten zu ihren Kunden oder stellen ihren Angestellten CarSharing für Schulungen zur Verfügung. Sie schätzen dabei besonders, dass sie mit den CarSharing-Fahrzeugen ihre Auslastungsspitzen abdecken können, ohne ihr Kapital binden zu müssen. Außerdem wird CarSharing auch gerne als Mitarbeiterbindungselement genutzt.

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nutzen die Fahrzeuge privat für den Arbeitsweg. Dies lohnt sich allerdings nur in Kombination mit häufigerem Homeoffice, für das tägliche Pendeln rechnet sich CarSharing hingegen meist nicht.

Gibt es noch weitere Vorteile für Unternehmen und Selbstständige?

Neben dem großen Vorteil der Kostenminimierung wie z.B. Auslagerung von TÜV- und Werkstattbesuchen, Reifenwechseln o.ä. an das CarSharing-Unternehmen ist sicherlich besonders das automatische Fahrtenbuch und Rechtssicherheit im Falle eines Unfalls zu nennen. Darüber hinaus ist die große Auswahl an Fahrzeug-Modellen, vom Kleinwagen über den Kombi bis zum Transporter und E-Fahrzeugen für unsere Kunden attraktiv.

Wir sind mit unseren Stationen im ganzen Rheinland verteilt, Firmen können also meist direkt auf eine schon vorhandene Station zugreifen. Falls nicht, eröffnen wir unter bestimmten Bedingungen auch gemeinsam mit Firmenkunden neue Stationen. Manchmal ergibt sich daraus sogar eine Win-Win-Win-Situation:     

Wir gewinnen einen neuen Kunden, der Kunde erweitert sein Mobilitätsspektrum und vermietet eigene Stellplätze an uns und spart dadurch zusätzlich Kosten bzw. erwirtschaftet zusätzliche Einnahmen.
Ein willkommener und wichtiger Nebeneffekt ist auf Dauer die Unterstützung bei der Einhaltung der CO2-Grenzwerte sowie die Möglichkeit, weiterhin in die Umweltzonen einfahren zu dürfen. Die cambio-Flotte besteht aus Co2- und Nox-armen Fahrzeugen und hält auch einen 6%-Anteil an E-Fahrzeugen, der sukzessive ausgebaut wird.

Mit einer Ergänzung des Fuhrparks durch cambio können sich Unternehmen als innovatives, nachhaltiges und werteorientiertes Unternehmen gegenüber Geschäftspartnern sowie Kunden präsentieren und letztendlich auch die Arbeitgeberattraktivität steigern.

Wir bedanken uns für das Gespräch Frau Bullmann.

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