Köln-Bonn-Talk

Schamong – Kaffeeröster des Jahres 2019

Heribert Schamong, Köln

Heribert Schamong, Geschäftsführer, Schamong GmbH & Co. KG, Köln, im Gespräch mit mittelstand-koeln-bonn.de

Herr Schamong, zunächst herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung „Rösterei des Jahres 2019“. Was steckt dahinter?

Vielen Dank! Nun, einmal im Jahr zeichnet das Magazin crema eine von derzeit rund 800 Röstereien im deutschsprachigen Raum aus. 2019 haben wir die Ehrung erhalten. Darauf sind wir als traditionelle Kölner Rösterei stolz. Wir konnten die Jury über einen längeren Zeitraum von der Qualität unseres Kaffees, unseren Kundenservice und der Nachhaltigkeit im Einkauf unseres Rohkaffees überzeugen.

Wie sind Sie eigentlich Kaffeeröster geworden?

Das ist eine lange Familiengeschichte. Mein Vater hat 1930 mit der Arbeit für die Kaffeerösterei Lülsdorff den Grundstein unserer Kaffeerösterei in Köln Ehrenfeld gelegt. Mein Bruder ist dann 1989 in seine Fußstapfen getreten. In meiner Kindheit gab es in Köln viele Röstereien, allerdings verkam in den 1970/80er Jahren Kaffee zu einem Heißgetränk und Basisträger für Milch und Zucker. Eine nach der anderen Rösterei machte zu oder zog um. So kam es, dass wir heute Kölns älteste Kaffeerösterei sind. Erst mit Starbucks erlebte Kaffee wieder eine Renaissance. Auch der Craft-Trend, also das Handwerkliche, ist seit einiger Zeit stark im Kommen. Im Spätsommer 2008 habe ich dann die Kaffeerösterei meinem Bruder abgekauft. Er war leider lange krank und ist dann 2009 verstorben. Wir sind keine Gastronomen, sondern Kaffeeröster und Kaufleute.  Das war immer schon so. Deshalb behandeln wir geschäftliche Themen anders als andere Leute.

Was ist das Besondere an Ihrer Kaffeerösterei?

Wir verbinden Tradition und Moderne. Wir sind schon seit 1949 hier auf der Venloer Strasse in Köln – Ehrenfeld. Wir sind gebürtige Kölner und mit der Stadt und ihren Traditionen verbunden. Wir leben Köln. Das unterscheidet uns von anderen. Auch unsere Röstmaschine, Einrichtung und Bilder nehmen Bezug auf unsere Tradition, aber auch auf Köln. So stand unsere Verkaufstheke schon 1949 in dem ersten Geschäftslokal. Unsere Waagen sind aus den 1960er Jahren, vier Schütten von 1949, der Rest ist gediegen. Andererseits legen wir Wert auf die besten und modernsten Siebträger und Mühlen. Außerdem arbeiten bei uns junge Leute mit Herzblut. Alle haben einen "schwarzen Gürtel" im Kaffeekochen und Koffein im Blut.

Traditionell haben wir nur drei Mischungen Filterkaffee, die restlichen 20 sind sortenrein, d.h. vom Kaffeesack in die Röstmaschine und von da in die Schütten. Bei den Espressi bieten wir 14 Sorten an, traditionelle Mischungen und reine Arabica Röstungen. Wir rösten nicht dunkel, sondern den Sorten entsprechend. Bei uns ist der Kaffee ein reines Naturprodukt, der immer etwas anders schmecken muss. Jede Ernte ist anders und das muss man schmecken. Für uns ist das ein Qualitätsmerkmal gegenüber dem uniformierten Geschmack des Industriekaffees.

Mit unserem „Kaffee des Monats“ sorgen wir für weitere Abwechslung. Wir bieten dann eine limitierte Auflage von besonders hochwertigem Kaffee.

Arbeiten noch weitere Familienmitglieder in der Rösterei?

Ja, mein Sohn Mirko. Er leitet die Kaffeerösterei und hat das letzte Wort bei allen Entscheidungen. Er hat bereits mit meinem Bruder zusammengearbeitet. Mein Sohn ist innovativ und immer am Puls der Zeit. Er führt neue Methoden und Kaffeeprodukte ein und ist für alles verantwortlich. Ich übernehme die Sonderaufgaben und repräsentiere unsere Rösterei in der Kölner Gesellschaft und bei wichtigen Vertriebspartnern. Ich liefere auch Kaffee mit unserem Lieferwagen, wenn Not am Mann ist. Schamong steht drauf und ein Schamong sitzt am Steuer – gefällt mir irgendwie.

Wie wichtig ist für Sie der Online-Handel?

Unser Online-Shop wird immer wichtiger. Bereits heute betragen unsere Internetverkäufe 50 Prozent unseres Gesamtumsatzes. Auch Social Media wie Facebook und Instagram nehmen dabei eine wichtige Rolle ein, um unsere Marke außerhalb von Köln bekannter zu machen. Der Erfolg von E-Commerce basiert auf zufriedenen Kunden und Weiterempfehlungen. Wir legen daher großen Wert nicht nur auf die Kaffeequalität, sondern auch auf bequeme Bestellvorgänge, guten Kundenservice und Lieferschnelligkeit.

In der aktuellen Klimadebatte gewinnt das Thema der Nachhaltigkeit wieder Auftrieb. Wie wichtig ist Ihnen dieser Aspekt?

Das ist ein ganz wichtiger Aspekt unserer Marke. Wir kaufen unseren Rohkaffee zu einem großen und wachsenden Anteil direkt bei den Farmern in Anbauländern. Vor fünf Jahren haben wir eine junge Frau aus Ecuador für das Thema Nachhaltigkeit eingestellt. Sie war 2019 für uns in Kolumbien und hat die Farmer und die CoffeeKids (die wir unterstützen) besucht. Als Muttersprachlerin erfährt sie mehr, als wenn ich im Anzug da auftauchen würde. Der Begriff Nachhaltigkeit wird von uns weit gefasst, er beinhaltet auch die Steuern. Auf jedes kg Röstkaffee wird in Deutschland 2,19 €/kg Kaffeesteuer erhoben. Wir versteuern in Deutschland, haben ökologische Verpackungen, eine transparente Produktion und suchen immer nach Verbesserungen. Bei notwendigen Kostenreduzierungen behandeln wir niemanden nach Gutsherrenart. 

Wir bedanken uns für das Gespräch Herr Schamong.

copyright BPF Best Practice Forum GmbH

Ihre Unternehmenspräsentation

Ihr Experteninterview könnte hier auch für 590 Euro (inkl. Redaktion) stehen. 

Dipl.-Betriebswirtin Jutta Peschke

Partnerbetreuung mittelstand-koeln-bonn.de
jpeschke@best-practice-forum.de  
Fon: 02304-594014

Köln-Bonn-Talk

02.07.2020

Olaf Bremer, vitra. by storeR

Zurück ins Corona-sichere Büro

Alle Talks

Drucken