Köln-Bonn-Talk

16.10.2019

Unternehmertestament - Nachfolge erbrechtlich richtig gestalten

Dr. Andreas Rohde, Rechtsanwalt, Steuerberater und Partner bei der dhpg

Dr. Andreas Rohde, Rechtsanwalt, Steuerberater und Partner bei der dhpg im Gespräch mit mittelstand-koeln-bonn.de

Herr Dr. Rohde, wer sollte ein Testament verfassen und warum?

Wer seine Unternehmens- oder Vermögensnachfolge gestalten möchte, für den führt kein Weg am Testament vorbei. Insbesondere wenn mehrere Personen und Interessen involviert sind und entsprechend viele Bedürfnisse und Vorstellungen unter einen Hut gebracht werden müssen, kann ein eindeutiges Testament Streitigkeiten oder sogar Gerichtsprozesse vermeiden. Wenn man auf ein Testament verzichtet, greift jedenfalls die gesetzliche Erbfolge, die aber eben meist nicht dem Gewollten entspricht. Wer also andere Vorstellungen hat, sorgt besser vor.

Hat ein einmal verfasstes Testament bis zum Lebensende Bestand?

Nein, im Gegenteil: Sie sollten Ihr Testament von Zeit zu Zeit überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Insbesondere Inhabern von Familienbetrieben empfehlen wir, die Nachfolge frühzeitig zu regeln, denn Familie und Unternehmen sind kaum voneinander zu trennen und bedürfen eines sensiblen integrierten Planungsprozesses. Die Bedürfnisse aller Beteiligten zu berücksichtigen erfordert hier besonderes Fingerspitzengefühl. Da sich die persönliche Situation aber im Laufe eines Lebens erfahrungsgemäß häufiger ändert, raten wir dazu, das Testament regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Warum ist gerade das Thema Unternehmensnachfolge so wichtig?

In einer von der dhpg durchgeführten Studie gaben die befragten Unternehmen an, dass die Unternehmensnachfolge neben der Digitalisierung die größte Herausforderung darstellt. Trotzdem setzen sich die wenigsten frühzeitig mit dem Thema Nachfolge auseinander bzw. schieben dieses Thema so lange wie möglich vor sich her. Dies ist allzu menschlich, allerdings vergeben die Unternehmer damit die Chance, die Nachfolge ganz aktiv zu gestalten. Und zwar in der Art, wie sie sich dies vorstellen.

Aber genügt hierfür nicht der Gesellschaftsvertrag?

Mitnichten. Zwar hat man die Möglichkeit, auch im Gesellschaftsvertrag festzuhalten, was im Fall des Todes eines Gesellschafters geschieht. Aber hier geht es um die Interessen der Gesellschaft, nicht um die individuellen Wünsche des einzelnen Gesellschafters. Wichtig ist, dass das Erb- und das Gesellschaftsrecht gut aufeinander abgestimmt sind. Hier bedarf es immer wieder eines ganz wachen Auges und Lösungen für den Einzelfall.

Gibt es etwas zu beachten, wenn der Unternehmer international tätig ist?

Es gibt eine Vielzahl von Erbfällen, die einen internationalen Charakter haben und entsprechende Fragestellungen mit sich bringen, beispielsweise das Ferienhaus in Frankreich oder die Firmenbeteiligung in den USA. Hier müssen dann unterschiedliche Regelungen und Rechtssysteme verschiedener Länder betrachtet werden und zwar erbrechtlich und erbschaftsteuerlich. Die Fragen, welches Erbrecht zur Anwendung kommt und welche Steuerbelastung insgesamt im Raum steht, sind in internationalen Fällen oft besonders komplex und müssen in die Planung und Gestaltung unbedingt mit einbezogen werden.

Gibt es steuerliche Vergünstigungen für Immobilien?

Ja, grundsätzlich wird das gesamte Vermögen mit dem Verkehrswert bewertet. Bei Immobilien gibt es dann aber einen Wertabschlag von 10 % bei vermietetem Wohnraum. Das bedeutet, dass der erbschaftsteuerliche Wert einer Immobilie um 10 % vermindert wird und in diesem Fall nur der geminderte Wert der Erbschaftsteuer unterliegt. Das bringt also deutliche Steuervorteile mit sich. Gleiches gilt, wenn die Immobilie nicht vererbt, sondern verschenkt werden soll. Die selbstgenutzte Immobilie kann sogar komplett steuerfrei bleiben, allerdings nur wenn der Ehepartner oder die Kinder erben und diesen Wohnraum in der Folge selbst nutzen. Die Schenkung der selbstgenutzten Immobilie an den Ehegatten ist immer steuerfrei. Alle diese Steuerbegünstigungen setzen allerdings voraus, dass sich die Immobilie in Deutschland, einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums befindet.

Man hört immer häufiger von Testamentsvollstreckung. Ist das zwingend notwendig?

Zwingend notwendig nicht unbedingt, aber in manchen Fällen durchaus sinnvoll. Der Testamentsvollstrecker fungiert als verlängerter Arm des Erblassers. Er stellt sicher, dass sein letzter Wille auch tatsächlich umgesetzt wird. Sein Einsatz macht vor allem dann Sinn, wenn Minderjährige das Vermögen noch nicht in die Hand bekommen sollen oder wenn sich innerhalb einer Erbengemeinschaft bereits im Vorfeld Streitigkeiten abzeichnen. Dabei kann er vieles sein: Treuhänder, Berater und Moderator – oder alles in einer Person. Damit er diese Rolle wahrnehmen kann, ist er in der Regel mit umfassenden Befugnissen ausgestattet. Nicht immer trifft dies unter den Erben auf Zustimmung. Trotzdem lohnt es sich, darüber nachzudenken. Denn durch seinen Einsatz stellen Sie sicher, dass alles so läuft, wie Sie es sich vorstellen. Und so soll es ja schließlich auch sein.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Rohde. 

Am 12.11.2019 können Sie Dr. Andreas Rohde bei unserem Netzwerkfrühstück live erleben und mehr zum Thema Unternehmertestament erfahren. Hier geht es zur Anmeldung.

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