Köln-Bonn aktuell

Birgitta Bruder, Laufenberg, Michels & Partner

Lückenloser Nachweis für Corona-Hilfen

Birgitta Bruder ist Steuerberaterin und Partnerin der Kölner Steuerberatungs- und Wirtschafsprüfungskanzlei Laufenberg, Michels & Partner. Als Verantwortliche für den Bereich Mittelstand berät sie seit Jahren Unternehmen bei der Digitalisierung von steuerrelevanten Prozessen. Eine Erfahrung, die Ihr gerade auch in der aktuellen Corona-Krise zugutekommt.

Frau Bruder, wie sinnvoll erachten Sie als Steuerberaterin die Hilfsprogramme der Bundesregierung?

Bund und Länder reagierten schnell und effizient. Die Programme zur Stabilisierung des Mittelstands wurden in kürzester Zeit konzipiert und in Gesetze gegossen. Sie halfen vielen Firmen, die Krisenmonate zu überstehen. Aber es gilt auch: Wo gehobelt wird fallen Späne. Das merkt man nun in der Praxis. Die Soforthilfe des Bundes ist dafür das beste Beispiel.

Was lief schief bei der Soforthilfe des Bundes?

Der Bund deckelte dieses Programm – wie aktuell auch die Ausbildungsprämien – und legte das Prinzip „Windhundsprinzip“ an: Also je früher man Anträge stellt, umso wahrscheinlicher erhält man die finanzielle Hilfe. Unternehmen stellten folglich Anträge ohne zu wissen, ob sie die Kriterien erfüllen würden. Die Mittel flossen und nun sehen sie sich zum Teil mit dem Vorwurf des Subventionsbetrugs konfrontiert. Wir haben damals unseren Mandaten geraten, zu warten, bis die Kriterien vorliegen. 

Im aktuellen Rückmeldeverfahren zur Soforthilfe hilft das aber nicht?

Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang. Nach Antragsstellung und Bekanntgabe aller Kriterien sollen nun Soforthilfe-Empfänger nachträglich nachweisen, dass sie im Förderzeitraum einen Liquiditätsengpass hatten. Obwohl Bund und Länder damals alles unternahmen, um die Liquidität der Firmen zu verbessern, wie die Stundung von Steuern und Sozialabgaben. Meines Erachtens ist das rechtlich nicht haltbar. Die Liquiditätsprobleme schlagen nun zeitversetzt bei den Unternehmen auf.  

Aber federt nicht das 500-Millionen-Euro-Kreditförderprogramm der KfW dieses Problem ab?

Das Kreditförderprogramm unterstützt nur Firmen, die gut dastehen, vor und in der Krise. Sie erhalten günstige Liquidität. Bei den anderen entscheiden die Hausbanken analog zu ihren sonstigen Kreditrichtlinien. Daher erhielten gerade bedürftige Firmen in der Krise häufig keine Kreditzusage. Dieser Missstand besserte sich erst, als die KfW Kredite mit 100-prozentiger Risikofreistellung für die Hausbanken auflegte. Aber auch das Kriterium der wirtschaftlichen Stabilität zum Ende 2019 war zu rigoros. Ich habe mehrfach Mandanten betreut, die nach einem schlechten Jahr 2019 den Turn-Around geschafft hatten und nun für die KfW-Programme nicht kreditfähig waren.   

Lassen Sie uns noch einmal auf den Vorwurf des Subventionsbetrugs zurückkommen. Sehen Sie hier eine weiterreichende Problematik auf die Firmen zukommen?

Auch wenn der Gesetzgeber großzügig in der Ausgestaltung der Programme war, wird die Verwaltung sehr genau kontrollieren. Wir haben das so erwartet und unseren Mandanten geraten, stets für alles Nachweise zu hinterlegen. Dies gilt insbesondere für das Kurzarbeitergeld. Die Nachweise der reduzierten Arbeitsstunden müssen dokumentiert sein. Mandanten, die nicht über ein eigenes Personalverwaltungssystem verfügen, haben wir digitale Tabellenvorlagen zu Verfügung gestellt, in denen sie die Stunden erfassen. Diese drucken sie dann aus und lassen sie als unveränderbaren Nachweis vom Mitarbeiter unterschreiben. Sie können sicher sein, dass der Arbeitgeber bei der nächsten Sozialversicherungsprüfung die Stundennachweise vorlegen muss. Falls nicht, muss man das Kurzarbeitergeld zurückzahlen und eventuell noch mit einer Strafanzeige rechnen.  

Wie bewerten Sie denn die aktuellen Überbrückungshilfen?

Gesetzgeber und Verwaltung haben sich genügend Zeit genommen, um ein sicheres Verfahren aufzulegen. Allerdings werden wir Steuerberater zum Nadelöhr. Wir sind derzeit schon fast mit der Antragsstellung unserer Mandanten überfordert. Gleichzeitig erhalten wir permanent Anfragen von Neukunden. Gerade kleinere Firmen, die keinen festen Steuerberater benötigten, haben es schwerer, einen Förderantrag zu stellen. Hier wird der Bund mit einem einfacheren Verfahren nachbessern müssen.   

Wir bedanken uns für das Gespräch Frau Bruder.

Partner

Laufenberg Michels und Partner mbB

Birgitta Bruder
Markus Raffelsieper
Robert-Perthel-Str. 81
50739 Köln (Longerich)

Fon: 02 21 / 95 74 94 - 0

Laufenberg Michels und Partner mbB

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